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Artilel in der FNP vom 23.3.16 von Inga Janovic. "Wer protestiert, bekommt noch was"

„Wer protestiert, bekommt noch was“

23.03.2016, 03:00 Uhr

Während in Frankfurt die Parteien ihre Koalitionsgespräche führen, richten sich die Blicke vieler Frankfurter Eltern nach Wiesbaden. Das Kultusministerium will Lehrer an den Oberstufen der Gymnasien einsparen. Die Schulen, Schüler und Eltern protestieren dagegen, sie sehen die Qualität des Abiturs gefährdet. FNP-Redakteurin Inga Janovic ließ sich von Alix Puhl, Vorsitzende des Stadtelternbeirates, die Beweggründe des Protests erklären.

Alix Puhl ist es egal, wer sich in der neuen Stadtregierung als Dezernent um die Schulen kümmert – ihr ist es einzig wichtig, dass man sich richtig um das Schulwesen kümmert . . .

Die Frankfurter haben Schwarz-Grün abgewählt, CDU und SPD müssen nun wohl gemeinsam regieren, entweder mit den Grünen oder der FDP im Bunde. Was erwarten Sie?

ALIX PUHL: Nach wie vor wären wir froh, wenn nicht mehr über Parteipolitik, sondern über Inhalte diskutiert würde. Vielleicht klappt das besser, wenn viele mit am Regierungstisch sitzen.

An welche Inhalte denken Sie?

PUHL: Wir müssen dringend darüber reden, warum welche Schulen wie gut laufen. Wo kommen neue Schulen hin, wo investieren wir? Die Änderungen im Bau- und Facilitymanagement zur Verwaltung und Sanierung der Schulgebäude müssen unbedingt zu Ende geführt werden.

Sie hoffen also auf ein parteiübergreifendes Arbeitsbündnis?

PUHL: Uns ist es am Ende egal, welche Partei und auch welcher Dezernent es macht. Hauptsache, es wird gemacht – und zwar gut und mit den Schulgemeinden. Die müssen das Gefühl haben, das, was sie tun, bewirkt auch etwas.

Das wünschen sich die Eltern sicher auch, oder?

PUHL: Wir kriegen immer häufiger Briefe von Eltern, die einfach keine Lust mehr haben: In der Grundschule bangen sie um den Betreuungsplatz für den Nachmittag, dann müssten sie betteln und beten, dass ihr Kind in eine weiterführende Schule in der Nähe kommt – und nun noch die Kürzungen in der Oberstufe. Da wandern viele zu den Privatschulen ab.

Das ist von Frankfurts Politik durchaus gewünscht, um die überfüllten öffentlichen Schulen auch durch Privatschulen zu entlasten.

PUHL: Schule ist bislang der einzige Ort in der Stadt, wo sich wirklich alle Menschen treffen. Wenn es das auch nicht mehr gäbe, das birgt Sprengstoff.

Ihr Protest gegen die Stundenkürzungen in den Oberstufen der Gymnasien bewirkt bislang noch wenig. Sind die Einschnitte wirklich nicht verkraftbar?

PUHL: Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) spricht von marginalen Kürzungen. Aber das sind sie ganz und gar nicht. Die Einschnitte bringen wieder Unruhe an die Schulen und greifen in ihr Gefüge ein. Gymnasien sind nicht mehr wie früher. Wenn die Kinder nach Hause kommen, ist da keiner, der ihnen helfen könnte. Der Migrationsanteil ist dort so hoch wie überall in der Stadt. Die Kinder brauchen die Gymnasien als einen Ort, der das auffängt.

Und das können diese nicht sein, weil hier und da Kurse zusammengelegt werden müssen?

PUHL: Es fallen drei Maßnahmen zusammen: die Kürzungen der Lehrerzuweisungen für die Oberstufe, die Streichung des Sozialindex’ für Gymnasien und der Wegfall von G-8-Weiterentwicklungsstunden. Damit werden Kurse größer und kleine Leistungskurse fallen weg – vor allem aber werden Förderangebote gestrichen und solche, die das Profil der jeweiligen Schule ausmachen.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wo die einzelnen Gymnasien Einbußen haben?

PUHL: Die Bettinaschule hat einen Leistungskurs Musik gestrichen, das Gagern-Gymnasium kann Italienisch nicht mehr bis zum Abitur anbieten, am Gymnasium Riedberg sitzen jetzt 28 Schüler im Informatik-Unterricht, in der Schule am Ried wurden im Fach Physik Grund- und Leistungskurs zusammengelegt und individuelle Förderangebote ausgedünnt. Und im nächsten Schuljahr fallen weitere Stunden weg.

Sie sagen, dass so die Profile der einzelnen Gymnasien in Gefahr gerieten?

PUHL: Ja, denn die Stunden wurden viel dafür genutzt, diese durch zusätzliche Angebote zu stärken. Und natürlich gucken die Schulen nun, in welchen Kursen die wenigsten Schüler sitzen, was sie nicht unbedingt anbieten müssen. Aber nicht nur das: Ein Englisch-Leistungskurs mit 28 Schülern ist nicht sinnvoll. Je mehr sich Schule dahin entwickelt, dass Kompetenzen vermittelt werden, umso wichtiger wird doch die mündliche Leistung.

Das Ministerium bietet an, „Härtefälle abzufedern“ und führt deshalb Gespräche mit den einzelnen Schulen. Aus Frankfurt hat gerademal die Hälfte der Gymnasien und Oberstufen um einen Gesprächstermin gebeten.

PUHL: Manche Schulleiter haben Bedenken, ob diese Einzelgespräche die Gymnasien nicht auseinanderdividieren. Es geht doch um die Schulform an sich. Wenn die eine Schule ein paar Stunden dazubekommt, macht sie dann noch Radau? Das wollen etliche Schulleiter vermeiden.

Angesichts knapper Kassen im Einzelnen zu schauen, wo was gebraucht wird, klingt doch vernünftig?

PUHL: Aber wer bekommt am Ende etwas? Diejenigen, die am lautesten schreien? Das verleitet doch dazu, dass alle wegen allem protestieren. Weil dann plötzlich doch etwas möglich ist. Das kann es nicht sein. Das kann man auch anders, gemeinsam angehen.

Was fordern Sie als Eltern denn? Eine Rücknahme der kompletten Kürzungen oder nur den Verzicht auf die noch ausstehenden zwei Kürzungsrunden?

PUHL: Sie zwingen uns zu sagen, die Kürzungen sollen komplett zurückgenommen werden. Denn es hat keine Gespräche zum Beispiel mit Schulleitern gegeben, in denen man über das Ausmaß vorab hätte beraten und überlegen können.

Grundsätzlich wird die Umverteilung aber vorgenommen zugunsten der Angebote, die Eltern massiv gefordert haben: Nachmittagsbetreuung, Inklusion, Integration . . .

PUHL: Ja, aber woher kommen diese Forderungen? Die Gesellschaft erwartet von Vätern und Müttern, dass sie arbeiten. Es bleibt für die meisten von uns gar nichts anderes übrig, als das Kind betreuen zu lassen.

Aber hätte man den Eltern und Wählern nicht trotzdem gleich sagen müssen: Wenn Ihr das bekommt, müsst Ihr auf dieses verzichten?

PUHL: Nein, wir brauchen ja beides. Wir brauchen eine gute Betreuung für die Grundschulkinder, wir brauchen aber auch in den oberen Klassen eine gute Ausbildung. Und natürlich brauchen wir Lehrer für die ankommenden Flüchtlingskinder. Das können wir doch nicht gegeneinander ausspielen.

Das heißt, dass der Bildungsetat erhöht werden müsste.

PUHL: Ja, das heißt es.

Bislang kam der Protest beinahe ausschließlich aus Frankfurt. Im Kultusministerium hielt man das einerseits für Wahlkampfgetöse, zum anderen schloss man, dass die Schulen anderswo in Hessen die Maßnahmen nicht so tragisch finden.

PUHL: Ein Stundenerlass ist schwer zu verstehen und die Kürzungen wurden sehr versteckt mitgeteilt. Es hat eine Weile gedauert, bis richtig ankam, was das für Auswirkungen hat. Im Sommer wurde dann an vielen Orten demonstriert. Wir Frankfurter Eltern waren danach einfach etwas ausdauernder. Aber die anderen kommen jetzt auch wieder.